Kurze Skizzierung der theoretischen Grundlage der Psychoanalyse


Die Psychoanalyse geht in ihrer theoretischen Grundlage davon aus, dass das Kind im Laufe seiner frühen Entwicklung sogenannte psychosexuelle Entwicklungsstufen mit typischen Konfliktmustern durchläuft und diese entweder hinreichend gut oder eben inadäquat löst. Dabei spielen auch Umweltbedingungen und vor allem Beziehungen mit bedeutsamen Figuren des kindlichen Lebens (Familienangehörige im engeren und weiteren Sinne und Personen aus dem näheren Umkreis der Familie) eine wichtige Rolle. Ungelöste
Konflikte und damit verbundene Phantasien, Wünsche, traumatische Ereignisse verschwinden zunächst aus dem bewussten Erleben des Kindes. Sie können in späteren Lebensabschnitten des Menschen  vor allem im Zusammenhang mit belastenden Lebensereignissen (Verluste, Kränkungen, körperliche Erkrankungen, aber auch große Erfolge) als psychoneurotische Symptome (z.B. Angst, Depression, Zwänge, psychosomatische Erkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, selbstdestruktive Handlungen und Selbst- bzw. Selbstwertverlust)  wieder erscheinen und dann einen behandlungsbedürftigen Charakter annehmen.
Das vom Kind ursprünglich  aufgebaute Abwehrmuster (also ein „Vergessen“ der quälenden Erlebnisse) kann nicht mehr gehalten werden (weil dieses sehr viel psychische Energie verbraucht) und es kommt zu einem Einbruch diffuser infantiler Ängste in das aktuelle Erleben und damit zu einer Entwicklung  oben beschriebener psychoneurotischer Symptome unterschiedlichen Schweregrades.

Die zentrale Entdeckung Freuds war die Entdeckung des Unbewußten und die Einbindung des Begriffs des Unbewußten in seine Entwicklungstheorie. Alle vom Menschen durchlebten Zeiten hinterlassen ihre Erinnerungsspuren, die in ihrer emotionalen Wirkung potentiell erhalten bleiben. Sie beeinflussen dadurch das Erleben und Handeln des Menschen, selbst wenn es längst keine bewusste Erinnerung daran mehr gibt. Diese unbewusst gewordenen Erinnerungen tauchen in der Phantasie, den Träumen und dem körperlich-vegetativen Erleben der Menschen wieder auf und können durch eine psychoanalytische Behandlung bewusst gemacht und durchgearbeitet werden.
Der Psychoanalytiker wird im psychoanalytischen Prozess das Verstandene deuten und somit dem Patienten Stück für Stück die eigene unbewußte Geschichte nahe bringen. Er achtet dabei auf viele Informationen des Patienten  – auf das Gesagte, das nicht Gesagte, auf die Gefühle, die entstehen, auf Diskrepanzen zwischen dem Gesagten und Gefühlten, auf szenische Muster und vor allem auf das, was in der Psychoanalyse Übertragung und Gegenübertragung genannt wird. Das Deuten und Durcharbeiten der in diesem Prozess verstandenen Erlebnisse, Phantasien und Wünsche des Patienten führt zu einer Aufhebung neurotischer Blockaden und Beeinträchtigungen.