Kurzer Historischer Exkurs zur Entstehung der Psychoanalyse:

Gedanken über unbewusstes seelisches Geschehen sind nicht erst mit der Entdeckung und Entwicklung der Psychoanalyse entstanden. Die elementare Kraft von Begierden war Gegenstand philosophischer, theologischer und literarischer Werke schon viele Jahrhunderte vor Freud und hat unterschiedlichste Vorstellungen über Ursprung und Hintergründe jener im seelischen Untergrund wirksamen Kräfte hervorgebracht.


Die Psychoanalyse wurde von Sigmund Freud (geb. 1856, gest. 1939) begründet. Er lebte und arbeitete in der Zeit des „fin de siècle" oder der „belle époque“, die als äußerst produktive
Zeit der geistigen Weite und vielfältigen Ideen von einer allgemeinen philosophischen wie künstlerischen Hochstimmung geprägt war. Die Beschäftigung mit den unbewußten Seelenkräften stand im 19. Jh. in Literatur und Philosophie besonders hoch im Kurs und bildete die Grundlage dieser von kreativen Entwicklungen geprägten Epoche.

Künstler begannen eine neue Formensprache zu entwickeln, die wie z.B. im Jugendstil und dem Expressionismus als Kunstformen Emotionalität und Provokation verkörpern sollten und die unbewußten Anteile der Psyche als für schöpferisches Handeln verantwortlich zeichneten.
Berühmte Figuren dieser Zeit in Literatur und Philosophie, z.B. Kafka, Rilke, Schnitzler, Hauptmann, Zweig schufen unvergängliche Werke.
Mit dem berühmten Physiker Albert Einstein setzte sich Freud brieflich über die Fragen von Krieg und Frieden auseinander.
Es entstanden starke neue Reformbewegungen, die den autoritär geprägten Zeitgeist verändern wollten und deren Inhalt eine Absage an ungesundes, körperlich wie seelisch einengendes Leben darstellte.

In dieser Zeit konnte eine Wissenschaft wie die Psychoanalyse entstehen, die durch ihre Beschäftigung mit dem unbewußten Psychischen in einem gewissen Kontrast zu der damaligen Medizin (vor allem auch der Psychiatrie) und der gängigen Arzt-Patient-Beziehung stand.


Sigmund Freud in Freiberg in  Mähren  geboren studierte Medizin und suchte, obwohl ursprünglich Neurologe, inspiriert durch seine Studien bei Charcot   in der Salpetrie nach der
Wirkung unbewusster Prozesse bei sogenannten hysterischen Erkrankungen. Er begründete Mitte der 1890er Jahre die Psychoanalyse und entwickelte diese  bis zum Ende seines Lebens 1939  immer weiter.
Berühmte Persönlichkeiten aus dem Bereich der Medizin, der Psychologie und der Philosophie aber auch sogenannte Laienanalytiker arbeiteten bei diesem Prozess mit. Ihre damaligen Erkenntnisse sowie vielfältigste Forschungsansätze und –ergebnisse der Gegenwart  prägen das Gesicht der modernen Psychoanalyse.  
Mit seinem 1900 erschienenen Buch "Traumdeutung" setzte Freud einen Meilenstein für die Entwicklung der Psychoanalyse. Die Betrachtung und Beachtung des Unbewussten war als fundamental wichtiger Aspekt für das Verständnis nicht nur  psychischer Erkrankungen erkannt worden. Die Bedeutung dessen auch für alltagspsychologische Prozesse, für künstlerisches Schaffen, für philosophische Gedanken, für soziologisch-politische Entwicklungen und für die Motivation jeglichen Handelns schlechthin beschäftigte von da an die psychoanalytische Forschung und Praxis.
Seit diesen Anfängen hat sich die Psychoanalyse in wahrscheinlich allen westlichen (und vielen östlichen) Ländern als therapeutisches Werkzeug, aber auch als philosophisches und entwicklungspsychologisches Gedankengut etabliert und zur Erklärung psychologischer Phänomene beigetragen.

Umfangreiche Studien aus vielen Ländern der Welt beweisen die Wirksamkeit der Psychoanalyse als Methode der Psychotherapie, was letztendlich auch  dazu geführt hat, dass in Deutschland die Krankenkassen eine Finanzierung (auf der Grundlange des Gutachterverfahrens) bis max. 300 Std. übernehmen.